Grußworte des Vorstandsvorsitzenden

Der österreichische Komponist Ernst Krenek ist für mich nicht nur in seinen literarischen Werken - sondern auch als Musiker - ein Sprachkünstler: Er formulierte als Melodiker rhetorisch klar und pointiert. Seine musikalische Satzkunst ist Argumentationskunst.

Dadurch fordert er von den Interpreten seiner Musik Sensibilität und die Fähigkeit, scheu verborgene Gefühlsbotschaften durch die sprachlich-intellektuelle Struktur hindurch spürbar zu machen.

Krenek war - Karl Kraus und Schubert nahe - ein Künstler, der mit äußerst wachem und empfindsamen Sensorium die persönliche Befindlichkeit unentwegt den Bewegungen der Zeit aussetzte. Dies tat er durchaus im Bewußtsein der Befangenheit in der eigenen Person. In Klängen, Worten und Bildern ist er ergreifender Künder von tiefer Sehnsucht nach Befreiung und Zugehörigkeit.

Mit seinem neun Jahrzehnte umfassenden Leben ist Ernst Krenek wahrlich ein Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts! Es lohnt sich, seinen Werk- und Lebensspuren zu folgen und ihn als Mentor anzunehmen, wenn wir an Wegkreuzungen unseres Wandels angekommen sind.

Es sollte unser großes Ziel sein, Ernst Krenek und sein Vermächtnis an seine erste Heimat zu binden. Die Tätigkeit des Ernst Krenek Institutes in Krems unterstützt das wachsende Interesse an Kreneks aktueller Bedeutung für die Musikwelt, die es gilt, erlebbar zu machen.


Ernst Kovacic
Vorstandsvorsitzender