Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung
Mit dem Ernst-Krenek-Institut
wurde 1997 eine international außerordentlich aktive Anlaufstelle geschaffen,
die sich mit steigendem Erfolg der Sicherung und Förderung des Krenekschen
Erbes annimmt; mit Univ.Prof. Ernst Kovacic als Vorstandsvorsitzendem und unter
der langjährigen Leitung der Generalsekretärin Mag. Petra Preinfalk.
Mag. Petra
Preinfalk, die seit der ersten Stunde mit intensivem persönlichem Engagement
und Professionalität dabei ist, hat wesentlich die Erfolge des Instituts
für die Sache Kreneks in den 10 Jahren seines Bestehens geprägt. Ihre
enge, freundschaftliche Beziehung mit der Witwe Kreneks war mit ausschlaggebend
dafür, dass Kreneks großer Nachlass nach Österreich zurückgekommen
ist, wie Gladys Krenek gerne betont. Im Jahr 2004 holte Mag. Preinfalk den „amerikanischen
Nachlass“ eigenhändig nach Österreich zurück, der seither
im Archiv der Stiftung aufgearbeitet wird. Für sie eines der bewegendsten
Erlebnisse ihrer langjährigen Tätigkeit als Generalsekretärin. Nach
10 Jahren ist die Initiative tatsächlich gelungen: Die Stiftung
agiert Dank der engagierten und professionellen Führung und Aufarbeitung
der Sammlung durch das Team um die Generalsekretärin als gefragte Anlaufstelle
für Veranstalter, Zeitzeugen sowie Krenek-Forscher und zunehmend als Leihgeberin
für Krenek-Exponate (Ausstellungen unter anderem in Paris, Berlin, Barcelona
und Linz). Im Jahr 2006
wurde Kreneks Nachlass an Musik- und literarischen Manuskripten sowie bedeutenden
Notizen (aus dem Besitz der EKIP), der professionellen Digitalisierung
zugeführt. Die digitalisierten Daten der mehreren Tausend Seiten stellen
nicht nur eine wertvolle Sicherung der Archivalien dar, sondern stehen nun für
verschiedene weitere Verwendungszwecke zur Verfügung. Verschiedene,
auf Initiative und Hintergrundarbeit der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung
basierende Noteneditionen (z.B. ein Sammelband mit allen Krenek-Klaviersonaten)
machten einzelne Werke überhaupt erst verfügbar und initiierten entsprechende
Aufführungen, wie im April 2007 die höchst erfolgreiche Aufführung
von Kreneks Kammeroper „Tarquin“ im Linzer Landestheater. Seit seinem
Bestehen ist das Ermst-Krenek-Institut für seine kreativen und qualitätsvollen
Veranstaltungsreihen, Symposien und Initiativen bekannt. In
Lehre und Forschung setzte die Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung im April
2007 wieder einen vielbeachteten Akzent: In Zusammenarbeit mit der Linzer Anton-Bruckner-Universität
fand unter dem Titel „Ernst Krenek – der Sprachmusiker“ eine
Veranstaltungsreihe mit Konzerten, Bühnenaufführungen, zwei Ausstellungen,
einem Workshop und einem Symposium statt, die Theorie und Praxis ideal verband.
Im Jahr 2006 wurde erstmals mit der von der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung
geschaffenen Krenek-Förderung eine Dissertantin bei ihrem Forschungsaufenthalt
in Krems unterstützt. Als das Ernst-Krenek-Institut
im Jahre 1997 von Krenek-Enthusiasten und späteren Vorstandsmitgliedern
als Verein gegründet wurde, hatte es einen schwierigen
Start: Mit eher geringen finanziellen Mitteln (von der Stadt Wien und dem Bund)
ausgestattet, musste erst eine Infrastruktur und ein Bewusstsein für Kreneks
großes Vermächtnis aufgebaut werden. Man begann mit nicht viel mehr
als zwei Schreibtischen, einem Telefon und einem Computer in einem Durchgangszimmer…
Mit Pioniergeist stellte sich das Institut der Herausforderung, Kreneks Werke
in seiner alten Heimat Österreich zu sammeln, zu fördern und der Öffentlichkeit
zu erschließen. Durch die Gründung der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung
durch Kreneks Witwe im Jahr 2004 (und entsprechende Absicherung durch Bund und
Land NÖ) wurde der Verein abgelöst. Heute wird von dem nach Entwürfen
der Generalsekretärin attraktiv gestalteten 200m²-Büro die Öffentlichkeit
weiter mit Krenek bekannt gemacht und Forscher sowie alle Interessenten kompetent
beraten. „In Ausblick
auf solche Erfolge wie den großartigen Krenek-Schwerpunkt bei den Bregenzer
Festspielen 2008, der mir persönlich ein besonderes Anliegen ist,
kann ich mit viel Freude auf das in 10 bewegten Jahren Geleistete und für
die Sache Kreneks Erreichte zurückblicken. Das bestätigt und motiviert
mich für meine Arbeit in der Zukunft“.
Ziel der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung ist es, Kreneks umfangreiches
Werk, das die unterschiedlichsten Gattungen sowie Stilrichtungen und Strömungen
der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts reflektiert, in seiner Gesamtheit zugänglich
zu machen.
Ganz im Geiste dieses universal gebildeten Humanisten, seinen vielseitigen Begabungen
entsprechend, gestaltet sich die Arbeit des Ernst Krenek Institutes interdisziplinär.
Wir beraten bei der Planung diverser Projekte und veranstalten Konzerte, Symposien,
Workshops und Ausstellungen. Zugleich stellen wir auf internationaler Ebene
Kontakte zu und zwischen Künstlern, Veranstaltern und Wissenschaftlern her und
initiieren Projekte.
Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung
in Krems
eine Erfolgsgeschichte
Seit Anfang 2007 liegen an die 75 % der Krenek-Autographe aufbereitet im Archiv
der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung. Unter den mehr als 25.000 Seiten finden
sich Krenek-Highlights wie die Autographe von „Karl
V.“ (2008 bei den Bregenzer Festspielen zu sehen!) und „Jonny
spielt auf“ sowie eine umfangreiche Korrespondenzsammlung –
und das Archiv wird stetig erweitert.
Der gesamte Sammlungsbestand ist Eigentum der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung
(z.B. der von der Witwe Gladys Krenek eingebrachte umfangreiche „amerikanische
Nachlass“), bzw. erhielt die Stiftung Leihgaben von Privatpersonen und
Verlagen. Im Stiftungseigentum sind auch Kreneks über 80 Aquarelle, die
im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ernst Krenek- der Sprachmusiker“
erstmals auf Initiative von Mag. Preinfalk im Linzer Lentos gezeigt wurden.
Gleichzeitig mit der Digitalisierung wurden vom Team der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung
(bis vor kurzem Dr. Dietlind Pichler und Dr. Katharina Prager) alle relevanten
Werkdaten in eine umfangreiche Datenbank eingearbeitet und
mit entsprechenden Querverbindungen zu weiteren Materialsammlungen, zur Primär-
und Sekundärliteratur und zum Fotoarchiv versehen. Dies stellt einen bedeutenden
Fortschritt in der Erreichung eines übersichtlichen Status in der schwierigen
bedingten Situation bei Kreneks Werken und Verlagen dar, die vor allem auf die
emigrationsbedingte Zerstreuung der Vertragspartner zurückzuführen
ist. Die wesentlichsten Werkdaten sind über die informative Website
des Instituts abrufbar.
Mag. Petra Preinfalk zeichnet zu den bisher genannten Schwerpunkten auch für
die beim Verlag Argus im Jahr 2005 begonnene Publikationsreihe
der Ernst Krenek Studien verantwortlich, deren erster Band sich der Beziehung
Kreneks und Oskar Kokoschkas widmete, bzw. dem Opernkomponisten Krenek in Band
2; Band 3 „Echoes from Austria“ wird sich Kreneks Beschäftigung
mit Volksmusik widmen und im Herbst 2007 erscheinen.
Als Markstein in der Geschichte der EKIP ist sicherlich auch der Entschluss
zu werten, Ernst Kreneks Leben und Werk in einer permanenten Ausstellung
zu präsentieren. Hierfür fand sich im Laufe des letzten Jahres in
dem vom Land NÖ der Revitalisierung zugeführten Minoritenkloster Krems-Stein
ein geeigneter Ort. (Idee: Prof. Ernst Kovacic, Kurator: Dr. Matthias Henke).
Im Rückblick auf die 10jährige erfolgreiche Aufbauarbeit
(8 Jahre davon als Generalsekretärin und zeitweise einzige Angestellte
des Krenek-Instituts) resümiert Mag. Petra Preinfalk:
„Die Herausforderung, vor der wir weiterhin stehen, ist, die in akribischer
Kleinarbeit gesammelten, nun in beachtlicher Anzahl und Qualität vorliegenden
Artefakte aus Kreneks ‚one-man-history of 20th-century-music’ entsprechend
für die Zukunft zu archivieren, Künstler, Veranstalter, Medien und
die wissenschaftliche Öffentlichkeit zu informieren aber sie darüber
hinaus zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit Kreneks Leben und Werk
zu bewegen.“
Ein Neubeginn: 2004 – 2005
2004 war ein entscheidendes Jahr in der Geschichte Ernst Kreneks und der Rückführung
und Pflege seines Werkes: Im Februar 2004 wurde von Frau Gladys N. Krenek, der
Witwe des Komponisten, mit Unterstützung des Bundes und des Landes Niederösterreich
die Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung in Krems gegründet, einer Privatstiftung
nach österreichischem Recht. Die endgültige Rückholung des Krenekschen Nachlasses
und die Stiftungsgründung machen nicht nur die Stadt Krems, die Krenek schon
in seinem berühmten Liedzyklus „Reisebuch aus den österreichischen Alpen“ anspricht,
zu Kreneks neuer Heimat, sondern repräsentieren ein wichtiges Ereignis und einen
historischen Wendepunkt in der Begegnung mit Kreneks Vermächtnis.
Über viele Jahre wurde – auch mit den Aktivitäten des bis zum Jahre 2004 tätigen
Vereins Ernst Krenek (i.e. Ernst Krenek Institut in Wien) – das Ziel verfolgt,
zur Sicherung und Pflege des Krenekschen Erbes eine Stiftung zu etablieren.
Sie hat ihren operativen Sitz auf dem Areal der Donau-Universität Krems, die
zudem ein Zentrum für zeitgenössische Musik eingerichtet hat.
Das gesamte noch nicht in Österreich befindliche Vermächtnis des 1938 exilierten
Ernst Krenek wurde auf Wunsch von Gladys N. Krenek in die Stiftung eingebracht.
Die bislang verstreut gewesenen Materialien des Nachlasses Ernst Kreneks werden
zusammengeführt, aus konservatorischen und archivarischen Gesichtspunkten bestmöglich
untergebracht und sind der Öffentlichkeit zugänglich. Ziel der Ernst Krenek
Stiftung ist vor allem aber die Verbreitung seines Gesamtwerks (seine musikalischen
und literarischen Werke) und des Interesses daran durch Beratung und ideelle
Unterstützung.
Diese neue Lösung ermöglicht der Ernst Krenek Stiftung nun neue Wege für zukunftsorientierte,
langfristige Planungen der vielfältigen Aktivitäten zur Aufarbeitung, Präsentation,
Förderung und Pflege des Werkes Ernst Kreneks. Seit Anfang des Jahres 2004 stehen
adäquate Arbeitsräumlichkeiten als Büros, Archiv und Studienplätze für eine
nachhaltige und zukunftsweisende Beschäftigung mit Ernst Kreneks bedeutendem
Oeuvre und für eine noch fundiertere Aufarbeitung des Nachlasses bereit. Innerhalb
der nächsten Jahre wird in Krems eine weitere Präsentationsmöglichkeit des Gesamtwerks
in noch zu adaptierenden Räumen geschaffen.
Im Zuge eines bewussten Umganges mit der österreichischen Geschichte – auch
im Geiste einer Wiedergutmachung an bedeutenden österreichischen Komponisten,
die von den Nationalsozialisten als "entartete Musiker" gebrandmarkt, ihre Heimat
verlassen mussten, stellen vor allem das Land Niederösterreich, das Bundeskanzleramt
und das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie Frau Krenek
und weitere Sponsoren die notwendigen Mittel für die Arbeit der Stiftung bereit.
Am 12. September 2004 präsentierten wir die neuen Räumlichkeiten der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung
der Öffentlichkeit mit einem Open-house und einem Festkonzert am Abend: Auf
Kreneks Flügel aus den 1930er-Jahren, auf dem seine berühmte Oper „Karl V.“
entstand, und der nun in den Räumlichkeiten der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung
zu sehen ist, begleitete Till Alexander Körber die Sopranistin Anna Maria Pammer,
die gemeinsam mit dem Geiger Ernst Kovacic (Vorstandsvorsitzender der Stiftung),
dem Schauspieler und designierten Theaterdirektor Herbert Föttinger, der dem
Literaten Krenek seine Stimme lieh, den Wiener Art Schrammeln, und vielen mehr
das muskalisch-literarische Eröffnungsprogramm gestaltete. Die Generalsekretärin
der Stiftung, Petra Preinfalk, führte durch das Programm und verknüpfte für
die vielen aufmerksamen Gäste des Open-house die verschiedenen Fäden des Werkes
Kreneks mit den Aufgaben und dem Angebot der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung.
Aus einer in Zusammenarbeit mit Othmar Schmiderer („Im toten Winkel“ Hitlers
Sekretärin) geplanten Krenek-Dokumentation wurden erstmals einige Interviews,
die sie mit einigen ehemaligen Studenten in Kalifornien geführt hat, präsentiert.
Das Publikum dankte für den Nachmittag, der viele Fenster in Kreneks interdisziplinäres
Werk öffnete, mit außergewöhnlichem Interesse.
Die EröffnungsrednerInnen, unter Ihnen Staatsekretär Franz Morak und Frau Gladys
N. Krenek, die Witwe und ehemaligen Studentin Kreneks, die von den geschaffenen
Möglichkeiten für die Pflege des Krenekschen Oeuvres und von der Resonanz in
der Öffentlichkeit überwältigt war, würdigten diesen besonderen Tag als Neubeginn
einer Ära. Den fulminanten Schlusspunkt des Tages bildete das Konzert des Berliner
Petersen-Quartetts in der zauberhaften Minoritenkirche in Krems-Stein mit einem
Krenek-Haydn-Programm.
Die Anfänge: Das Ernst Krenek
Institut in Wien 1997 - 1999
Auf Initiative einiger Krenek-Enthusiasten (die späteren Vorstandsmitglieder
des Vereins: Dr. Marion Diederichs-Lafite, Dr. Maximilian Eiselsberg, Prof.
Martin Haselböck und Dr. Christian Prosl) wurde im Jahre 1997 der Verein Ernst
Krenek gegründet, der bis 2004 als Trägerinstitution für das Ernst Krenek Institut,
in seiner damaligen Adresse Hanuschgasse 3, 1010 Wien, fungierte. In dieser
Zeit leitete Mag. Doris Flekatsch das Institut als Generalsekretärin.
Am 12. Jänner 1998 wurde das Ernst Krenek Institut Wien durch einen Festakt
unter dem Titel "Reisebuch durch Kreneks Welten" im Wiener Musikverein der Öffentlichkeit
vorgestellt. Unter Mitwirkung vieler bekannter Künstler und Stadtrat Dr. Peter
Marboe wurde nicht nur der Komponist und Schriftsteller, sondern auch der vielseitige
Künstler und Lehrer Krenek dargestellt. Im gleichen Jahr wurden Kreneks Memoiren
unter dem Titel "Im Atem der Zeit - Erinnerungen an die Moderne" veröffentlicht
(bei Hofmann und Campe, als Taschenbuch: Diana-Verlag). Dieses autobiographische
Panorama umfasst Kreneks erste erfolgreiche Jahre bis zu seiner Emigration 1938.
Vorrangig in dieser Zeit entstandene Werke Kreneks präsentierten wir im Rahmen
der Ernst Krenek Tage 1999, einem Festival mit Opernaufführungen, Konzerten,
Round Table und einer kleinen Ausstellung.
Das Ernst Krenek Institut 2000
- 2001
Im Jahr 2000 - anlässlich seines hundertsten Geburtstags am 23. August - wurde
Ernst Krenek in vielfältigen internationalen Projekten als
eine vielschichtige und universal gebildete Künstlerpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts,
als Komponist, Schriftsteller, Essayist, als Dichter und Maler gewürdigt. Beginnend
mit dem Projekt der Wanderausstellung "Ernst Krenek zum 100. Geburtstag,
Zeitgenosse des 20. Jahrhunderts", die von Dr. Schmidt wissenschaftlich
und vom Ernst Krenek Institut in Zusammenarbeit mit der Wr. Stadt- und Landesbibliothek
organisatorisch betreut wurde, erfuhr das Tätigkeitsfeld des Instituts im Rahmen
vielfältiger Projekte und einer intensivierten Informationstätigkeit eine großartige
Erweiterung. Eine besondere Herausforderung für die neue Generalsekretärin Mag.
Petra Preinfalk. Die Wanderausstellung wurde mit großem Erfolg am 2. April in
der Wiener Staatsoper eröffnet und bis zum 21. Mai 2000 in Wien gezeigt. Weitere
Stationen der Ausstellung im Jahre 2000 waren: Tiroler Landestheater, Innsbruck;
Dresden; Bartók-Festival, Szombathely; Festwochen Gmunden; Carinthischer Sommer,
Berliner Festwochen, Kölner Philharmonie; Oper Prag; New York . Das Jahr 2001
begann mit der Präsentation der Ausstellung in London, Ontario, Canada , gefolgt
von der Central Michigan University, Michigan; Los Angeles und der University
of California, San Diego. Im Anschluss daran kehrte die Ausstellung zurück nach
Europa, wo sie unter anderem im September 2001 bei Warschauer Herbst gezeigt
wurde und im Oktober bei einem Krenek-Schwerpunkt im Staatstheater Kassel, um
Ende des Jahres wieder nach Wien zurückzukehren.
Workshops, wie jener mit Ernst Kovacic und Klaus Lienbacher
im Frühjahr 2000 stellten Kreneks kammermusikalische Kompositionen in den Vordergrund,
während im Herbst 2000 das "Liedschaffen von Franz Schubert und Ernst Krenek"
mit Kurt Widmer im Mittelpunkt stand. Das Werk Ernst Kreneks erfährt durch eine
derart intensive Auseinandersetzung weitere nachhaltige Resonanz.
Seiner humanistisch geprägten Einstellung verlieh Ernst Krenek in seiner Oper
"Karl V." (nach einer selbst verfassten Textvorlage) Ausdruck. "Karl V." ist
Kreneks szenisches Hauptwerk und die erste abendfüllende Oper in Zwölftontechnik.
Sie wurde Anfang der 30er-Jahre von der Wiener Staatsoper in Auftrag gegeben.
Die Uraufführung in Wien wurde durch Nazi-Intrigen verhindert und fand im Jahr
1938 in Prag statt. Die erste szenische Aufführung an der Wiener Staatsoper
ging erst im Jahr 1984, fünfzig Jahre nach Entstehen des Werkes, über die Bühne,
nachdem die Oper bereits an vielen anderen Theatern reüssiert hatte. Im Jahre
2000, in dem des 500. Geburtstages von Karl V. und des 100. Geburtstages von
Ernst Krenek gedacht wurde, veranstaltete das Ernst Krenek Institut ein Symposion
zu dem Thema "Kreneks Karl V. - interdisziplinäre Perspektiven" (20.
und 21.Juni 2000, Kunsthistorisches Museum Wien, in Zusammenarbeit mit dem Institut
für Musikwissenschaft der Universität Wien), in dem die kulturellen und kulturpolitischen
Zusammenhänge des Bühnenwerkes "Karl V." und seine Rezeptions- und Aufführungsgeschichte
beleuchtet wurden (publiziert in der Österreichischen Musikzeitschrift Nr. 8/9-2000).
Mit der Veranstaltungsreihe „Ernst Krenek.Metamorphosen zum 10. Todestag
des Komponisten“ November 2001 – Jänner 2002 machten wir erneut gezielt
auf verschiedene Aspekte seines großen Oeuvres aufmerksam. Neben Liederabenden,
war es vor allem ein Konzert mit dem Koehne-Quartett, das den Bogen von Kreneks
Musikentwicklung von 1923 – 1981 spannen und zeigen sollte, dass sich Kreneks
künstlerische Entwicklung kaum klarer verfolgen lässt als anhand seiner acht
Streichquartette. In Zusammenarbeit mit der Universität für Musik und darstellende
Kunst interpretierten Studenten Krenek- Werke im Rahmen zweier Konzerte widmeten
sich seiner Musik mit ansteckender Begeisterung, die die große Aktualität und
Kraft seiner Musik lebendig werden ließ. In drei Chorkonzerten stand Kreneks
umfangreiches Oeuvre von Chor- und sakralen Werken im Mittelpunkt. Nicht nur
seine in den letzten Jahren mehrfach präsentierte „Lamentatio Jeremia Prophetae“
verweist auf Kreneks im Laufe der über 70jährigen Schaffenszeit immer wiederkehrende
Beschäftigung mit philosophischen und existentiellen Fragestellungen. Über 40
Opera komponierte Krenek für Chor, darunter Vertonungen biblischer und anderer
lyrischer Texte. Am 10. Jänner 2002 stand in Zusammenarbeit mit dem Wr. Konzertchor
und dem ORF sogar eine Uraufführung von Kreneks „Vier Motetten“ von 1918 mit
weiteren großartigen Krenek-Chorwerken der 20er-Jahre auf dem Programm.
Symposium „Ernst Krenek und Oskar Kokoschka und die alte Geschichte
von Orpheus und Eurydike “: 1923 entstand Ernst Kreneks Oper „Orpheus
und Eurydike“ op. 21 nach einem Libretto von Oskar Kokoschka. In dem von Univ.-Prof.
Dr. Jürg Stenzl geleiteten Symposium, das in ein entsprechendes künstlerisches
Programm eingebettet war, wurde am 7. und 8. Dezember 2001 nicht nur die ungeheure
Expressivität der Oper, die ihre Aktualität bis heute bewahrt hat, sondern auch
die Zusammenarbeit zweier großer Künstler, beide Doppelbegabungen (der Maler-Dramatiker
Kokoschka und der Komponist und Literat Krenek), untersucht. Den Auftakt bildete
Michael Köhlmeier, mit seiner spannenden „Erzählung des Mythos“. Im Anschluss
daran präsentierten Studenten der Musikuniversität Szenen aus der Oper. Die
Referate der internationalen Expertenschar führten zu angeregten Diskussionen;
eine Veröffentlichung im Rahmen der Publikationsreihe der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung
beim Verlag Argus ist für 2005 geplant.
Sensationeller Fund: Im Oktober 2001 widmeten wir uns in einer
Kooperation mit der Gesamthochschule in Kassel Kreneks bedeutenden und durch
die intensiven Theatererfahrungen reichen Jahren in dieser Stadt. Der leitende
Wissenschaftler, Prof. Matthias Henke, entdeckte die verschollen geglaubten
Materialien zu Kreneks Puppenspiel „Marlborough s’en va-t-en guerre“ op. 52,
von 1927. So konnten die Materialien gesichert und für eine zukünftige Aufführung
vorbereitet werden. (2005 publizierte der kooperierende Hessische Rundfunk eine
CD mit Kreneks Musik dieser Zeit).
Das Ernst Krenek Institut 2002
– 2003
„Jonny spielt auf“,
Kreneks bekannteste Oper, bildete als Produktion der Wiener Staatsoper einen
markanten Abschluss des Jahres 2002 voller Initiativen und Projekte zur Krenek-Pflege
– und das nicht nur in Österreich. Äußerst bemerkenswert war z.B. die US-Premiere
von Kreneks „Lamentatio Jeremiae Prophetae“ in New York (am
16. April 2002, durch die New York Virtuoso Singers), jenem eindrucksvollen
Chorwerk, das nur wenige Chöre bewältigen, wie z.B. der Netherlands Kammerchor
im März beim Festival Lucerne.
Parallel zur Produktion von „Jonny spielt auf“ in Wien veranstaltete das Ernst
Krenek Institut vom 29. November bis 1. Dezember 2002 im Ernst Krenek Institut
und im Mahler-Saal der Wiener Staatsoper einen Krenek-Kongress unter
dem Motto: „Der zauberhafte, aber schwierige Beruf des Opernschreibens. Das
Musiktheater Ernst Kreneks“ (wissenschaftliche Leitung: Univ.-Prof.
Dr. Claudia Maurer-Zenck). Neben internationalen Referenten zu einzelnen der
mehr als 20 Opern Ernst Kreneks kamen auch viele Künstler und Zeitzeugen zu
Wort, die Kreneks genialen Instinkt für dieses Genres bestätigten . Sie berichteten
von ihren Erfahrungen, dass der Bühnenwirkung seiner Opern (der hohen dramatische
Wirkung der textlichen Vorlage vor allem im Zusammenspiel auf der musikalischen
Ebene) vertraut werden könnte, da sie immer wieder überzeugt. Begleitend dazu
zeigte eine durch Petra Preinfalk gestaltete Ausstellung im
Mahler-Saal Kreneks breites Opernspektrum. Hierfür wurden Exponate aus verschiedenen
Archiven zusammengebracht, ergänzt um persönliche Gegenstände Kreneks aus dem
Besitz der Witwe. Die Herausgabe eines Symposiumsbands ist in der Schriftenreihe
des Ernst Krenek Instituts bei Argus vorgesehen.
Heimat war im Leben Kreneks ein vielgestaltiger Begriff. Im Oktober 2003 widmeten
wir uns der Aufarbeitung dieses Themas unter dem Titel "Echoes from
Austria. Musik als Heimat? Ernst Krenek und das österreichische Volkslied im
20. Jahrhundert". Den Auftakt zu unserer Veranstaltungsreihe
bildete am 14. 10. ein Liederabend mit Wolfgang Holzmair im Wiener Konzerthaus
mit "Reiseliedern" von Krenek und Schubert (2004 wurde in Kooperation mit dem
ORF eine CD mit dem Programm dieses Abends unter dem Titel „Echoes from Austria“
herausgebracht; sie ist im Handel und über unser Institut erhältlich). Am 19.
und 20. Oktober wurde der Schwerpunkt (wissenschaftliche Leitung: Dr. Matthias
Schmidt) im ORF-Radiokulturhaus mit einem Vortrag von Konrad Paul Liessmann
und einem Gesprächskonzert unter der Mitwirkung von Donna Ellen, Till Alexander
Körber und den Wiener Art Schrammeln fortgesetzt. Das von 1925 stammende und
für diesen Abend extra bearbeitete Krenek-Werk "Vom lieben Augustin" stellte
in dieser Form sogar eine Uraufführung dar. Eine internationale Expertengruppe,
wie Meret Forster (München), Claudia Maurer Zenck (Hamburg), Konrad Köstlin,
Rudolf Pietsch (beide Wien), Rudolf Flotzinger (Graz), Nils Grosch (Freiburg)
und Matthias Henke (Kassel) referierten über Kreneks Zugang zu diesem Thema.
Im abschließenden Roundtable diskutierte Manfred Wagner mit Friedrich Cerha,
Gernot Gruber, Ernst Hanisch und Walter Deutsch. (Ein Symposiumsband ist für
2005/06 in Vorbereitung).
Mit Barbara Hölzl, Alt, Till Alexander Körber, Klavier und dem neu gegründeten
Krenek-Studio-Chor fand "Echoes from Austria" einen wunderbaren Abschluss. Wie
erwartet war die Resonanz beim Publikum groß und fand auch in den ORF-Sendungen
am 20.10. und im "Ö1-Extra" (im Vorfeld des Nationalfeiertags, am 25. 10.2003)
ihren Niederschlag.
Die engagierte Arbeit des Ernst Krenek Instituts hat bereits in den letzten
Jahren international viel Beachtung gefunden, wie zuletzt durch eine Würdigung
der vom 14. - 20. Oktober 2003 mit großem Erfolg durchgeführten Veranstaltungsreihe
"Echoes from Austria" durch die Ernst von Siemens Musikstiftung.
Ernst Krenek und seine Heimat
Krenek schreibt in seinem "Reisebuch":
"Bald wird es klar:
Jedes Ziel ist ein neuer Anfang,…
Doch möge mir vergönnt sein,
eine Heimat dann zu finden,
wenn ich wiederkehre".
1900 in Wien-Währing geboren, begann Ernst Krenek mit sechzehn Jahren Kompositionsstudien
bei Franz Schreker, übersiedelte 1920 mit seinem Lehrer nach Berlin und lernte
dort unter anderen Ferruccio Busoni und Hermann Scherchen kennen. Er ging in
die Schweiz und nach Frankreich, wurde Assistent an den Bühnen von Kassel und
Wiesbaden und kehrte 1928 nach Wien zurück. Dort trat er in Kontakt mit Alban
Berg, Anton Webern und Karl Kraus, dessen geistige Unabhängigkeit und ethische
Radikalität ihn stark beeinflussten. Er komponierte, gab Konzerte, hielt Vorträge,
publizierte. In den Jahren von 1932 - 1937 lebte und wirkte Ernst Krenek in
seiner Wohnung in der Mühlbachergasse 6, im 13. Wiener Gemeindebezirk, wo im
Oktober 2000 auf Vorschlag des Ernst Krenek Instituts eine Gedenktafel angebracht
wurde. Kurz darauf, im Jahr 1938 emigrierte er in die USA, wo er bis 1947 an
verschiedenen Universitäten lehrte. Ab 1947 lebte er als freier Komponist in
der Gegend von Los Angeles. Krenek, der 1945 Amerikanischer Staatsbürger wurde
lebte von 1966 bis zu seinem Tod am 22. Dezember 1991 in Palm Springs, Kalifornien.
1992 wurde Ernst Krenek in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt. Zwei Jahr
später wurde in Palm Springs die Ernst Krenek Society - ein Partnerinstitut
des Ernst Krenek Instituts - gegründet (www.ernstkrenek.com).
Kreneks reiches kompositorisches Schaffen setzt sich fast lückenlos mit der
Musik des 20. Jahrhunderts auseinander - von der ausklingenden Spätromantik
über den Expressionismus, Zwölfton- und Reihentechnik bis zur elektronischen
Musik und den Spielarten des aleatorischen Komponierens. Krenek schrieb Symphonien,
Solokonzerte und andere Orchesterwerke, Kammermusik, darunter Streichquartette,
Lieder- und Chorzyklen, wie die "Lamentatio Jeremiae Prophetae" (1942), Klaviermusik
und anderes mehr. Sehr bedeutend sind über ein Dutzend Opern, darunter "Karl
V.", "Das Leben des Orest", "Orpheus und Eurydike", "Kehraus um St. Stephan"
und "Chrysomallos, Der goldene Bock". "Jonny spielt auf"(1926) wurde ein Welterfolg.
Mit der im Jahr 2000 in revidierter Fassung veröffentlichten Broschüre "Ernst
Krenek Gesamtwerkverzeichnis" steht ein übersichtliches und aktuelles Nachschlagewerk
über Kreneks musikalisches Œuvre zur Verfügung.
Historische Umstände haben verhindert, dass Kreneks Werk in seiner Gesamtheit
rezipierbar wurde. Von den Nationalsozialisten als “entartet” gebrandmarkt wurde
er zum Verlassen seiner Heimat gezwungen. Unter dem Aspekt des Zeitgeistes
traf ihn dieses Schicksal wie eine Verurteilung; Krenek empfand dies
als einen schmerzhaften Schnitt, der nicht nur seine Karriere als Komponist
sondern sein gesamtes Leben zerteilte. Trotzdem hat er – gegen die Strömungen
der Zeit – kompositorisch seinen eigenen Weg entwickelt (z.B. erkennbar in der
Erfindung des seriellen Rotations-Prinzips, das schon 1943 in seiner Dritten
Klaviersonate erscheint). Seine unersättliche Neugier motivierte Ernst Krenek
bis zuletzt, immer wieder zu neuen Horizonten aufzubrechen, um seine umfassenden
musikalischen Ideen auszudrucken – ein großes Vermächtnis an seine Nachwelt.
(In diesem Zusammenhang verweisen wir auch auf den Ernst-Krenek-Preis der Stadt
Wien, der alle zwei Jahre vergeben wird. Mehr Information unter „Ernst-Krenek-Preis“).
Aus Kreneks reichem literarischen Schaffen seien nur "Selbstdarstellung" (1948),
"Zwölfton-Kontrapunktstudien"(1952), "Zur Sprache gebracht", "Im Zweifelsfalle"
(1984), "Prosa, Dramen, Verse" (1965), in englischer Sprache "Music here and
now" (1938), "Johannes Ockeghem"(1952), "Horizons circled" (1974) und "Im Atem
der Zeit" (1998) erwähnt.