Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung

Ziel der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung ist es, Kreneks umfangreiches Werk, das die unterschiedlichsten Gattungen sowie Stilrichtungen und Strömungen der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts reflektiert, in seiner Gesamtheit zugänglich zu machen.

Ganz im Geiste dieses universal gebildeten Humanisten, seinen vielseitigen Begabungen entsprechend, gestaltet sich die Arbeit des Ernst Krenek Institutes interdisziplinär. Wir beraten bei der Planung diverser Projekte und veranstalten Konzerte, Symposien, Workshops und Ausstellungen. Zugleich stellen wir auf internationaler Ebene Kontakte zu und zwischen Künstlern, Veranstaltern und Wissenschaftlern her und initiieren Projekte.

Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung in Krems

Das Ernst-Krenek-Institut wird 10 Jahre:
eine Erfolgsgeschichte

Mit dem Ernst-Krenek-Institut wurde 1997 eine international außerordentlich aktive Anlaufstelle geschaffen, die sich mit steigendem Erfolg der Sicherung und Förderung des Krenekschen Erbes annimmt; mit Univ.Prof. Ernst Kovacic als Vorstandsvorsitzendem und unter der langjährigen Leitung der Generalsekretärin Mag. Petra Preinfalk.

Mag. Petra Preinfalk, die seit der ersten Stunde mit intensivem persönlichem Engagement und Professionalität dabei ist, hat wesentlich die Erfolge des Instituts für die Sache Kreneks in den 10 Jahren seines Bestehens geprägt. Ihre enge, freundschaftliche Beziehung mit der Witwe Kreneks war mit ausschlaggebend dafür, dass Kreneks großer Nachlass nach Österreich zurückgekommen ist, wie Gladys Krenek gerne betont. Im Jahr 2004 holte Mag. Preinfalk den „amerikanischen Nachlass“ eigenhändig nach Österreich zurück, der seither im Archiv der Stiftung aufgearbeitet wird. Für sie eines der bewegendsten Erlebnisse ihrer langjährigen Tätigkeit als Generalsekretärin.

Nach 10 Jahren ist die Initiative tatsächlich gelungen:
Seit Anfang 2007 liegen an die 75 % der Krenek-Autographe aufbereitet im Archiv
der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung. Unter den mehr als 25.000 Seiten finden sich Krenek-Highlights wie die Autographe von „Karl V.“ (2008 bei den Bregenzer Festspielen zu sehen!) und „Jonny spielt auf“ sowie eine umfangreiche Korrespondenzsammlung – und das Archiv wird stetig erweitert.
Der gesamte Sammlungsbestand ist Eigentum der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung (z.B. der von der Witwe Gladys Krenek eingebrachte umfangreiche „amerikanische Nachlass“), bzw. erhielt die Stiftung Leihgaben von Privatpersonen und Verlagen. Im Stiftungseigentum sind auch Kreneks über 80 Aquarelle, die im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ernst Krenek- der Sprachmusiker“ erstmals auf Initiative von Mag. Preinfalk im Linzer Lentos gezeigt wurden.

Die Stiftung agiert Dank der engagierten und professionellen Führung und Aufarbeitung der Sammlung durch das Team um die Generalsekretärin als gefragte Anlaufstelle für Veranstalter, Zeitzeugen sowie Krenek-Forscher und zunehmend als Leihgeberin für Krenek-Exponate (Ausstellungen unter anderem in Paris, Berlin, Barcelona und Linz).

Im Jahr 2006 wurde Kreneks Nachlass an Musik- und literarischen Manuskripten sowie bedeutenden Notizen (aus dem Besitz der EKIP), der professionellen Digitalisierung zugeführt. Die digitalisierten Daten der mehreren Tausend Seiten stellen nicht nur eine wertvolle Sicherung der Archivalien dar, sondern stehen nun für verschiedene weitere Verwendungszwecke zur Verfügung.
Gleichzeitig mit der Digitalisierung wurden vom Team der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung (bis vor kurzem Dr. Dietlind Pichler und Dr. Katharina Prager) alle relevanten Werkdaten in eine umfangreiche Datenbank eingearbeitet und mit entsprechenden Querverbindungen zu weiteren Materialsammlungen, zur Primär- und Sekundärliteratur und zum Fotoarchiv versehen. Dies stellt einen bedeutenden Fortschritt in der Erreichung eines übersichtlichen Status in der schwierigen bedingten Situation bei Kreneks Werken und Verlagen dar, die vor allem auf die emigrationsbedingte Zerstreuung der Vertragspartner zurückzuführen ist. Die wesentlichsten Werkdaten sind über die informative Website des Instituts abrufbar.

Verschiedene, auf Initiative und Hintergrundarbeit der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung basierende Noteneditionen (z.B. ein Sammelband mit allen Krenek-Klaviersonaten) machten einzelne Werke überhaupt erst verfügbar und initiierten entsprechende Aufführungen, wie im April 2007 die höchst erfolgreiche Aufführung von Kreneks Kammeroper „Tarquin“ im Linzer Landestheater.
Mag. Petra Preinfalk zeichnet zu den bisher genannten Schwerpunkten auch für die beim Verlag Argus im Jahr 2005 begonnene Publikationsreihe der Ernst Krenek Studien verantwortlich, deren erster Band sich der Beziehung Kreneks und Oskar Kokoschkas widmete, bzw. dem Opernkomponisten Krenek in Band 2; Band 3 „Echoes from Austria“ wird sich Kreneks Beschäftigung mit Volksmusik widmen und im Herbst 2007 erscheinen.

Seit seinem Bestehen ist das Ermst-Krenek-Institut für seine kreativen und qualitätsvollen Veranstaltungsreihen, Symposien und Initiativen bekannt. In Lehre und Forschung setzte die Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung im April 2007 wieder einen vielbeachteten Akzent: In Zusammenarbeit mit der Linzer Anton-Bruckner-Universität fand unter dem Titel „Ernst Krenek – der Sprachmusiker“ eine Veranstaltungsreihe mit Konzerten, Bühnenaufführungen, zwei Ausstellungen, einem Workshop und einem Symposium statt, die Theorie und Praxis ideal verband. Im Jahr 2006 wurde erstmals mit der von der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung geschaffenen Krenek-Förderung eine Dissertantin bei ihrem Forschungsaufenthalt in Krems unterstützt.
Als Markstein in der Geschichte der EKIP ist sicherlich auch der Entschluss zu werten, Ernst Kreneks Leben und Werk in einer permanenten Ausstellung zu präsentieren. Hierfür fand sich im Laufe des letzten Jahres in dem vom Land NÖ der Revitalisierung zugeführten Minoritenkloster Krems-Stein ein geeigneter Ort. (Idee: Prof. Ernst Kovacic, Kurator: Dr. Matthias Henke).

Als das Ernst-Krenek-Institut im Jahre 1997 von Krenek-Enthusiasten und späteren Vorstandsmitgliedern als Verein gegründet wurde, hatte es einen schwierigen Start: Mit eher geringen finanziellen Mitteln (von der Stadt Wien und dem Bund) ausgestattet, musste erst eine Infrastruktur und ein Bewusstsein für Kreneks großes Vermächtnis aufgebaut werden. Man begann mit nicht viel mehr als zwei Schreibtischen, einem Telefon und einem Computer in einem Durchgangszimmer… Mit Pioniergeist stellte sich das Institut der Herausforderung, Kreneks Werke in seiner alten Heimat Österreich zu sammeln, zu fördern und der Öffentlichkeit zu erschließen. Durch die Gründung der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung durch Kreneks Witwe im Jahr 2004 (und entsprechende Absicherung durch Bund und Land NÖ) wurde der Verein abgelöst. Heute wird von dem nach Entwürfen der Generalsekretärin attraktiv gestalteten 200m²-Büro die Öffentlichkeit weiter mit Krenek bekannt gemacht und Forscher sowie alle Interessenten kompetent beraten.


Im Rückblick auf die 10jährige erfolgreiche Aufbauarbeit (8 Jahre davon als Generalsekretärin und zeitweise einzige Angestellte des Krenek-Instituts) resümiert Mag. Petra Preinfalk:
„Die Herausforderung, vor der wir weiterhin stehen, ist, die in akribischer Kleinarbeit gesammelten, nun in beachtlicher Anzahl und Qualität vorliegenden Artefakte aus Kreneks ‚one-man-history of 20th-century-music’ entsprechend für die Zukunft zu archivieren, Künstler, Veranstalter, Medien und die wissenschaftliche Öffentlichkeit zu informieren aber sie darüber hinaus zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit Kreneks Leben und Werk zu bewegen.“

„In Ausblick auf solche Erfolge wie den großartigen Krenek-Schwerpunkt bei den Bregenzer Festspielen 2008, der mir persönlich ein besonderes Anliegen ist, kann ich mit viel Freude auf das in 10 bewegten Jahren Geleistete und für die Sache Kreneks Erreichte zurückblicken. Das bestätigt und motiviert mich für meine Arbeit in der Zukunft“.


Ein Neubeginn: 2004 – 2005

2004 war ein entscheidendes Jahr in der Geschichte Ernst Kreneks und der Rückführung und Pflege seines Werkes: Im Februar 2004 wurde von Frau Gladys N. Krenek, der Witwe des Komponisten, mit Unterstützung des Bundes und des Landes Niederösterreich die Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung in Krems gegründet, einer Privatstiftung nach österreichischem Recht. Die endgültige Rückholung des Krenekschen Nachlasses und die Stiftungsgründung machen nicht nur die Stadt Krems, die Krenek schon in seinem berühmten Liedzyklus „Reisebuch aus den österreichischen Alpen“ anspricht, zu Kreneks neuer Heimat, sondern repräsentieren ein wichtiges Ereignis und einen historischen Wendepunkt in der Begegnung mit Kreneks Vermächtnis.

Über viele Jahre wurde – auch mit den Aktivitäten des bis zum Jahre 2004 tätigen Vereins Ernst Krenek (i.e. Ernst Krenek Institut in Wien) – das Ziel verfolgt, zur Sicherung und Pflege des Krenekschen Erbes eine Stiftung zu etablieren. Sie hat ihren operativen Sitz auf dem Areal der Donau-Universität Krems, die zudem ein Zentrum für zeitgenössische Musik eingerichtet hat.

Das gesamte noch nicht in Österreich befindliche Vermächtnis des 1938 exilierten Ernst Krenek wurde auf Wunsch von Gladys N. Krenek in die Stiftung eingebracht. Die bislang verstreut gewesenen Materialien des Nachlasses Ernst Kreneks werden zusammengeführt, aus konservatorischen und archivarischen Gesichtspunkten bestmöglich untergebracht und sind der Öffentlichkeit zugänglich. Ziel der Ernst Krenek Stiftung ist vor allem aber die Verbreitung seines Gesamtwerks (seine musikalischen und literarischen Werke) und des Interesses daran durch Beratung und ideelle Unterstützung.

Diese neue Lösung ermöglicht der Ernst Krenek Stiftung nun neue Wege für zukunftsorientierte, langfristige Planungen der vielfältigen Aktivitäten zur Aufarbeitung, Präsentation, Förderung und Pflege des Werkes Ernst Kreneks. Seit Anfang des Jahres 2004 stehen adäquate Arbeitsräumlichkeiten als Büros, Archiv und Studienplätze für eine nachhaltige und zukunftsweisende Beschäftigung mit Ernst Kreneks bedeutendem Oeuvre und für eine noch fundiertere Aufarbeitung des Nachlasses bereit. Innerhalb der nächsten Jahre wird in Krems eine weitere Präsentationsmöglichkeit des Gesamtwerks in noch zu adaptierenden Räumen geschaffen.

Im Zuge eines bewussten Umganges mit der österreichischen Geschichte – auch im Geiste einer Wiedergutmachung an bedeutenden österreichischen Komponisten, die von den Nationalsozialisten als "entartete Musiker" gebrandmarkt, ihre Heimat verlassen mussten, stellen vor allem das Land Niederösterreich, das Bundeskanzleramt und das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie Frau Krenek und weitere Sponsoren die notwendigen Mittel für die Arbeit der Stiftung bereit.

Am 12. September 2004 präsentierten wir die neuen Räumlichkeiten der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung der Öffentlichkeit mit einem Open-house und einem Festkonzert am Abend: Auf Kreneks Flügel aus den 1930er-Jahren, auf dem seine berühmte Oper „Karl V.“ entstand, und der nun in den Räumlichkeiten der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung zu sehen ist, begleitete Till Alexander Körber die Sopranistin Anna Maria Pammer, die gemeinsam mit dem Geiger Ernst Kovacic (Vorstandsvorsitzender der Stiftung), dem Schauspieler und designierten Theaterdirektor Herbert Föttinger, der dem Literaten Krenek seine Stimme lieh, den Wiener Art Schrammeln, und vielen mehr das muskalisch-literarische Eröffnungsprogramm gestaltete. Die Generalsekretärin der Stiftung, Petra Preinfalk, führte durch das Programm und verknüpfte für die vielen aufmerksamen Gäste des Open-house die verschiedenen Fäden des Werkes Kreneks mit den Aufgaben und dem Angebot der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung. Aus einer in Zusammenarbeit mit Othmar Schmiderer („Im toten Winkel“ Hitlers Sekretärin) geplanten Krenek-Dokumentation wurden erstmals einige Interviews, die sie mit einigen ehemaligen Studenten in Kalifornien geführt hat, präsentiert. Das Publikum dankte für den Nachmittag, der viele Fenster in Kreneks interdisziplinäres Werk öffnete, mit außergewöhnlichem Interesse.

Die EröffnungsrednerInnen, unter Ihnen Staatsekretär Franz Morak und Frau Gladys N. Krenek, die Witwe und ehemaligen Studentin Kreneks, die von den geschaffenen Möglichkeiten für die Pflege des Krenekschen Oeuvres und von der Resonanz in der Öffentlichkeit überwältigt war, würdigten diesen besonderen Tag als Neubeginn einer Ära. Den fulminanten Schlusspunkt des Tages bildete das Konzert des Berliner Petersen-Quartetts in der zauberhaften Minoritenkirche in Krems-Stein mit einem Krenek-Haydn-Programm.


Die Anfänge: Das Ernst Krenek Institut in Wien 1997 - 1999

Auf Initiative einiger Krenek-Enthusiasten (die späteren Vorstandsmitglieder des Vereins: Dr. Marion Diederichs-Lafite, Dr. Maximilian Eiselsberg, Prof. Martin Haselböck und Dr. Christian Prosl) wurde im Jahre 1997 der Verein Ernst Krenek gegründet, der bis 2004 als Trägerinstitution für das Ernst Krenek Institut, in seiner damaligen Adresse Hanuschgasse 3, 1010 Wien, fungierte. In dieser Zeit leitete Mag. Doris Flekatsch das Institut als Generalsekretärin.

Am 12. Jänner 1998 wurde das Ernst Krenek Institut Wien durch einen Festakt unter dem Titel "Reisebuch durch Kreneks Welten" im Wiener Musikverein der Öffentlichkeit vorgestellt. Unter Mitwirkung vieler bekannter Künstler und Stadtrat Dr. Peter Marboe wurde nicht nur der Komponist und Schriftsteller, sondern auch der vielseitige Künstler und Lehrer Krenek dargestellt. Im gleichen Jahr wurden Kreneks Memoiren unter dem Titel "Im Atem der Zeit - Erinnerungen an die Moderne" veröffentlicht (bei Hofmann und Campe, als Taschenbuch: Diana-Verlag). Dieses autobiographische Panorama umfasst Kreneks erste erfolgreiche Jahre bis zu seiner Emigration 1938. Vorrangig in dieser Zeit entstandene Werke Kreneks präsentierten wir im Rahmen der Ernst Krenek Tage 1999, einem Festival mit Opernaufführungen, Konzerten, Round Table und einer kleinen Ausstellung.


Das Ernst Krenek Institut 2000 - 2001

Im Jahr 2000 - anlässlich seines hundertsten Geburtstags am 23. August - wurde Ernst Krenek in vielfältigen internationalen Projekten als eine vielschichtige und universal gebildete Künstlerpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts, als Komponist, Schriftsteller, Essayist, als Dichter und Maler gewürdigt. Beginnend mit dem Projekt der Wanderausstellung "Ernst Krenek zum 100. Geburtstag, Zeitgenosse des 20. Jahrhunderts", die von Dr. Schmidt wissenschaftlich und vom Ernst Krenek Institut in Zusammenarbeit mit der Wr. Stadt- und Landesbibliothek organisatorisch betreut wurde, erfuhr das Tätigkeitsfeld des Instituts im Rahmen vielfältiger Projekte und einer intensivierten Informationstätigkeit eine großartige Erweiterung. Eine besondere Herausforderung für die neue Generalsekretärin Mag. Petra Preinfalk. Die Wanderausstellung wurde mit großem Erfolg am 2. April in der Wiener Staatsoper eröffnet und bis zum 21. Mai 2000 in Wien gezeigt. Weitere Stationen der Ausstellung im Jahre 2000 waren: Tiroler Landestheater, Innsbruck; Dresden; Bartók-Festival, Szombathely; Festwochen Gmunden; Carinthischer Sommer, Berliner Festwochen, Kölner Philharmonie; Oper Prag; New York . Das Jahr 2001 begann mit der Präsentation der Ausstellung in London, Ontario, Canada , gefolgt von der Central Michigan University, Michigan; Los Angeles und der University of California, San Diego. Im Anschluss daran kehrte die Ausstellung zurück nach Europa, wo sie unter anderem im September 2001 bei Warschauer Herbst gezeigt wurde und im Oktober bei einem Krenek-Schwerpunkt im Staatstheater Kassel, um Ende des Jahres wieder nach Wien zurückzukehren.

Workshops, wie jener mit Ernst Kovacic und Klaus Lienbacher im Frühjahr 2000 stellten Kreneks kammermusikalische Kompositionen in den Vordergrund, während im Herbst 2000 das "Liedschaffen von Franz Schubert und Ernst Krenek" mit Kurt Widmer im Mittelpunkt stand. Das Werk Ernst Kreneks erfährt durch eine derart intensive Auseinandersetzung weitere nachhaltige Resonanz.

Seiner humanistisch geprägten Einstellung verlieh Ernst Krenek in seiner Oper "Karl V." (nach einer selbst verfassten Textvorlage) Ausdruck. "Karl V." ist Kreneks szenisches Hauptwerk und die erste abendfüllende Oper in Zwölftontechnik. Sie wurde Anfang der 30er-Jahre von der Wiener Staatsoper in Auftrag gegeben. Die Uraufführung in Wien wurde durch Nazi-Intrigen verhindert und fand im Jahr 1938 in Prag statt. Die erste szenische Aufführung an der Wiener Staatsoper ging erst im Jahr 1984, fünfzig Jahre nach Entstehen des Werkes, über die Bühne, nachdem die Oper bereits an vielen anderen Theatern reüssiert hatte. Im Jahre 2000, in dem des 500. Geburtstages von Karl V. und des 100. Geburtstages von Ernst Krenek gedacht wurde, veranstaltete das Ernst Krenek Institut ein Symposion zu dem Thema "Kreneks Karl V. - interdisziplinäre Perspektiven" (20. und 21.Juni 2000, Kunsthistorisches Museum Wien, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien), in dem die kulturellen und kulturpolitischen Zusammenhänge des Bühnenwerkes "Karl V." und seine Rezeptions- und Aufführungsgeschichte beleuchtet wurden (publiziert in der Österreichischen Musikzeitschrift Nr. 8/9-2000).

Mit der Veranstaltungsreihe „Ernst Krenek.Metamorphosen zum 10. Todestag des Komponisten“ November 2001 – Jänner 2002 machten wir erneut gezielt auf verschiedene Aspekte seines großen Oeuvres aufmerksam. Neben Liederabenden, war es vor allem ein Konzert mit dem Koehne-Quartett, das den Bogen von Kreneks Musikentwicklung von 1923 – 1981 spannen und zeigen sollte, dass sich Kreneks künstlerische Entwicklung kaum klarer verfolgen lässt als anhand seiner acht Streichquartette. In Zusammenarbeit mit der Universität für Musik und darstellende Kunst interpretierten Studenten Krenek- Werke im Rahmen zweier Konzerte widmeten sich seiner Musik mit ansteckender Begeisterung, die die große Aktualität und Kraft seiner Musik lebendig werden ließ. In drei Chorkonzerten stand Kreneks umfangreiches Oeuvre von Chor- und sakralen Werken im Mittelpunkt. Nicht nur seine in den letzten Jahren mehrfach präsentierte „Lamentatio Jeremia Prophetae“ verweist auf Kreneks im Laufe der über 70jährigen Schaffenszeit immer wiederkehrende Beschäftigung mit philosophischen und existentiellen Fragestellungen. Über 40 Opera komponierte Krenek für Chor, darunter Vertonungen biblischer und anderer lyrischer Texte. Am 10. Jänner 2002 stand in Zusammenarbeit mit dem Wr. Konzertchor und dem ORF sogar eine Uraufführung von Kreneks „Vier Motetten“ von 1918 mit weiteren großartigen Krenek-Chorwerken der 20er-Jahre auf dem Programm.

Symposium „Ernst Krenek und Oskar Kokoschka und die alte Geschichte von Orpheus und Eurydike “: 1923 entstand Ernst Kreneks Oper „Orpheus und Eurydike“ op. 21 nach einem Libretto von Oskar Kokoschka. In dem von Univ.-Prof. Dr. Jürg Stenzl geleiteten Symposium, das in ein entsprechendes künstlerisches Programm eingebettet war, wurde am 7. und 8. Dezember 2001 nicht nur die ungeheure Expressivität der Oper, die ihre Aktualität bis heute bewahrt hat, sondern auch die Zusammenarbeit zweier großer Künstler, beide Doppelbegabungen (der Maler-Dramatiker Kokoschka und der Komponist und Literat Krenek), untersucht. Den Auftakt bildete Michael Köhlmeier, mit seiner spannenden „Erzählung des Mythos“. Im Anschluss daran präsentierten Studenten der Musikuniversität Szenen aus der Oper. Die Referate der internationalen Expertenschar führten zu angeregten Diskussionen; eine Veröffentlichung im Rahmen der Publikationsreihe der Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung beim Verlag Argus ist für 2005 geplant.

Sensationeller Fund: Im Oktober 2001 widmeten wir uns in einer Kooperation mit der Gesamthochschule in Kassel Kreneks bedeutenden und durch die intensiven Theatererfahrungen reichen Jahren in dieser Stadt. Der leitende Wissenschaftler, Prof. Matthias Henke, entdeckte die verschollen geglaubten Materialien zu Kreneks Puppenspiel „Marlborough s’en va-t-en guerre“ op. 52, von 1927. So konnten die Materialien gesichert und für eine zukünftige Aufführung vorbereitet werden. (2005 publizierte der kooperierende Hessische Rundfunk eine CD mit Kreneks Musik dieser Zeit).


Das Ernst Krenek Institut 2002 – 2003

„Jonny spielt auf“, Kreneks bekannteste Oper, bildete als Produktion der Wiener Staatsoper einen markanten Abschluss des Jahres 2002 voller Initiativen und Projekte zur Krenek-Pflege – und das nicht nur in Österreich. Äußerst bemerkenswert war z.B. die US-Premiere von Kreneks „Lamentatio Jeremiae Prophetae“ in New York (am 16. April 2002, durch die New York Virtuoso Singers), jenem eindrucksvollen Chorwerk, das nur wenige Chöre bewältigen, wie z.B. der Netherlands Kammerchor im März beim Festival Lucerne.

Parallel zur Produktion von „Jonny spielt auf“ in Wien veranstaltete das Ernst Krenek Institut vom 29. November bis 1. Dezember 2002 im Ernst Krenek Institut und im Mahler-Saal der Wiener Staatsoper einen Krenek-Kongress unter dem Motto: „Der zauberhafte, aber schwierige Beruf des Opernschreibens. Das Musiktheater Ernst Kreneks“ (wissenschaftliche Leitung: Univ.-Prof. Dr. Claudia Maurer-Zenck). Neben internationalen Referenten zu einzelnen der mehr als 20 Opern Ernst Kreneks kamen auch viele Künstler und Zeitzeugen zu Wort, die Kreneks genialen Instinkt für dieses Genres bestätigten . Sie berichteten von ihren Erfahrungen, dass der Bühnenwirkung seiner Opern (der hohen dramatische Wirkung der textlichen Vorlage vor allem im Zusammenspiel auf der musikalischen Ebene) vertraut werden könnte, da sie immer wieder überzeugt. Begleitend dazu zeigte eine durch Petra Preinfalk gestaltete Ausstellung im Mahler-Saal Kreneks breites Opernspektrum. Hierfür wurden Exponate aus verschiedenen Archiven zusammengebracht, ergänzt um persönliche Gegenstände Kreneks aus dem Besitz der Witwe. Die Herausgabe eines Symposiumsbands ist in der Schriftenreihe des Ernst Krenek Instituts bei Argus vorgesehen.

Heimat war im Leben Kreneks ein vielgestaltiger Begriff. Im Oktober 2003 widmeten wir uns der Aufarbeitung dieses Themas unter dem Titel "Echoes from Austria. Musik als Heimat? Ernst Krenek und das österreichische Volkslied im 20. Jahrhundert". Den Auftakt zu unserer Veranstaltungsreihe bildete am 14. 10. ein Liederabend mit Wolfgang Holzmair im Wiener Konzerthaus mit "Reiseliedern" von Krenek und Schubert (2004 wurde in Kooperation mit dem ORF eine CD mit dem Programm dieses Abends unter dem Titel „Echoes from Austria“ herausgebracht; sie ist im Handel und über unser Institut erhältlich). Am 19. und 20. Oktober wurde der Schwerpunkt (wissenschaftliche Leitung: Dr. Matthias Schmidt) im ORF-Radiokulturhaus mit einem Vortrag von Konrad Paul Liessmann und einem Gesprächskonzert unter der Mitwirkung von Donna Ellen, Till Alexander Körber und den Wiener Art Schrammeln fortgesetzt. Das von 1925 stammende und für diesen Abend extra bearbeitete Krenek-Werk "Vom lieben Augustin" stellte in dieser Form sogar eine Uraufführung dar. Eine internationale Expertengruppe, wie Meret Forster (München), Claudia Maurer Zenck (Hamburg), Konrad Köstlin, Rudolf Pietsch (beide Wien), Rudolf Flotzinger (Graz), Nils Grosch (Freiburg) und Matthias Henke (Kassel) referierten über Kreneks Zugang zu diesem Thema. Im abschließenden Roundtable diskutierte Manfred Wagner mit Friedrich Cerha, Gernot Gruber, Ernst Hanisch und Walter Deutsch. (Ein Symposiumsband ist für 2005/06 in Vorbereitung).

Mit Barbara Hölzl, Alt, Till Alexander Körber, Klavier und dem neu gegründeten Krenek-Studio-Chor fand "Echoes from Austria" einen wunderbaren Abschluss. Wie erwartet war die Resonanz beim Publikum groß und fand auch in den ORF-Sendungen am 20.10. und im "Ö1-Extra" (im Vorfeld des Nationalfeiertags, am 25. 10.2003) ihren Niederschlag.

Die engagierte Arbeit des Ernst Krenek Instituts hat bereits in den letzten Jahren international viel Beachtung gefunden, wie zuletzt durch eine Würdigung der vom 14. - 20. Oktober 2003 mit großem Erfolg durchgeführten Veranstaltungsreihe "Echoes from Austria" durch die Ernst von Siemens Musikstiftung.


Ernst Krenek und seine Heimat

Krenek schreibt in seinem "Reisebuch":
"Bald wird es klar:
Jedes Ziel ist ein neuer Anfang,…
Doch möge mir vergönnt sein,
eine Heimat dann zu finden,
wenn ich wiederkehre".



1900 in Wien-Währing geboren, begann Ernst Krenek mit sechzehn Jahren Kompositionsstudien bei Franz Schreker, übersiedelte 1920 mit seinem Lehrer nach Berlin und lernte dort unter anderen Ferruccio Busoni und Hermann Scherchen kennen. Er ging in die Schweiz und nach Frankreich, wurde Assistent an den Bühnen von Kassel und Wiesbaden und kehrte 1928 nach Wien zurück. Dort trat er in Kontakt mit Alban Berg, Anton Webern und Karl Kraus, dessen geistige Unabhängigkeit und ethische Radikalität ihn stark beeinflussten. Er komponierte, gab Konzerte, hielt Vorträge, publizierte. In den Jahren von 1932 - 1937 lebte und wirkte Ernst Krenek in seiner Wohnung in der Mühlbachergasse 6, im 13. Wiener Gemeindebezirk, wo im Oktober 2000 auf Vorschlag des Ernst Krenek Instituts eine Gedenktafel angebracht wurde. Kurz darauf, im Jahr 1938 emigrierte er in die USA, wo er bis 1947 an verschiedenen Universitäten lehrte. Ab 1947 lebte er als freier Komponist in der Gegend von Los Angeles. Krenek, der 1945 Amerikanischer Staatsbürger wurde lebte von 1966 bis zu seinem Tod am 22. Dezember 1991 in Palm Springs, Kalifornien. 1992 wurde Ernst Krenek in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt. Zwei Jahr später wurde in Palm Springs die Ernst Krenek Society - ein Partnerinstitut des Ernst Krenek Instituts - gegründet (www.ernstkrenek.com).

Kreneks reiches kompositorisches Schaffen setzt sich fast lückenlos mit der Musik des 20. Jahrhunderts auseinander - von der ausklingenden Spätromantik über den Expressionismus, Zwölfton- und Reihentechnik bis zur elektronischen Musik und den Spielarten des aleatorischen Komponierens. Krenek schrieb Symphonien, Solokonzerte und andere Orchesterwerke, Kammermusik, darunter Streichquartette, Lieder- und Chorzyklen, wie die "Lamentatio Jeremiae Prophetae" (1942), Klaviermusik und anderes mehr. Sehr bedeutend sind über ein Dutzend Opern, darunter "Karl V.", "Das Leben des Orest", "Orpheus und Eurydike", "Kehraus um St. Stephan" und "Chrysomallos, Der goldene Bock". "Jonny spielt auf"(1926) wurde ein Welterfolg. Mit der im Jahr 2000 in revidierter Fassung veröffentlichten Broschüre "Ernst Krenek Gesamtwerkverzeichnis" steht ein übersichtliches und aktuelles Nachschlagewerk über Kreneks musikalisches Œuvre zur Verfügung.

Historische Umstände haben verhindert, dass Kreneks Werk in seiner Gesamtheit rezipierbar wurde. Von den Nationalsozialisten als “entartet” gebrandmarkt wurde er zum Verlassen seiner Heimat gezwungen. Unter dem Aspekt des Zeitgeistes traf ihn dieses Schicksal wie eine Verurteilung; Krenek empfand dies als einen schmerzhaften Schnitt, der nicht nur seine Karriere als Komponist sondern sein gesamtes Leben zerteilte. Trotzdem hat er – gegen die Strömungen der Zeit – kompositorisch seinen eigenen Weg entwickelt (z.B. erkennbar in der Erfindung des seriellen Rotations-Prinzips, das schon 1943 in seiner Dritten Klaviersonate erscheint). Seine unersättliche Neugier motivierte Ernst Krenek bis zuletzt, immer wieder zu neuen Horizonten aufzubrechen, um seine umfassenden musikalischen Ideen auszudrucken – ein großes Vermächtnis an seine Nachwelt. (In diesem Zusammenhang verweisen wir auch auf den Ernst-Krenek-Preis der Stadt Wien, der alle zwei Jahre vergeben wird. Mehr Information unter „Ernst-Krenek-Preis“).


Aus Kreneks reichem literarischen Schaffen seien nur "Selbstdarstellung" (1948), "Zwölfton-Kontrapunktstudien"(1952), "Zur Sprache gebracht", "Im Zweifelsfalle" (1984), "Prosa, Dramen, Verse" (1965), in englischer Sprache "Music here and now" (1938), "Johannes Ockeghem"(1952), "Horizons circled" (1974) und "Im Atem der Zeit" (1998) erwähnt.